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Deutsche Neonazis wecken bei Briten alte Ängste - Psychologie des "griesgrämigen" Deutschen oder politisches Versagen?London (13.09.2000) - Von Christoph Driessen. Keine These eines Wissenschaftlers hat die britische Presse in den vergangenen Wochen so stark beschäftigt wie die des Psychologen David Myers, der die "Humorlosigkeit" und "Griesgrämigkeit" der Deutschen auf die vielen Umlaute in ihrer Sprache zurückführt. Der "Evening Standard", eine große Londoner Abendzeitung, illustrierte die Theorie mit zwei Bildern einer "typischen Britin" und eines "typischen Deutschen": Die Britin war Hollywood-Star Catherine Zeta Jones. Der Deutsche war Adolf Hitler.Hitler ist noch immer das Erste, was vielen Briten zu Deutschland einfällt. 78 Prozent aller Zehn- bis 16-jährigen verbinden Deutschland einer Umfrage zufolge mit dem Zweiten Weltkrieg, 50 Prozent mit Hitler. Die Welle rechter Gewalt in Deutschland kann dieses Bild nur verfestigen. Auch deutschfreundliche Zeitungen wie der "Guardian" warnen jetzt: "Die Parallelen zu den 30er Jahren sind äußerst alarmierend." Was die Medien berichten, bestimmt das Deutschland-Bild der Briten, denn die Wenigsten sind selbst einmal im Land der "Krauts" gewesen. "Das Beste an Deutschland ist noch, dass es dort keine Touristen gibt", stellte der "Sunday Times"-Kolumnist A.A. Gill bei einem - dienstlichen - Kurzbesuch fest. Überraschend ist, dass die gefürchtete Massenpresse die deutschen Neonazis bisher ignoriert. Die Story ist wohl nicht gut genug, es fehlt der britische Bezug. Verkaufsfördernder fand die "Sun" die Erlebnisse eines Ehepaares aus Birmingham, das auf Fuerteventura durch Zufall in einem Hotel voller Deutscher landete - es war natürlich ein "Urlaub in der Hölle". Die seriöse Presse, Rundfunk und Fernsehen - allen voran die BBC - verfolgen die Vorgänge in Deutschland sachlich und kenntnisreich. Der Tenor der Kommentare ist ähnlich wie in Deutschland selbst: Der Rechtsextremismus ist lange heruntergespielt worden und muss endlich von der ganzen Gesellschaft ernsthaft angegangen werden. "Jetzt haben auch die deutschen Medien begriffen, dass da etwas sehr faul ist", schrieb die "Times" mit einer gewissen Genugtuung. Auf einhellige Zustimmung stieß das Urteil im Neonazi-Prozess gegen die Mörder des Mosambikaners Alberto Adriano. "Deutschland hat bewiesen: Wo ein politischer Wille ist, ist auch ein Weg", lobte der "Independent". Deutlicher als in Deutschland prangern die britischen Zeitungen - konservative wie linksliberale - eine Mitschuld der CDU an. "Die Christdemokraten haben im vergangenen Jahr eine Landtagswahl in Hessen mit einer schamlosen fremdenfeindlichen Kampagne gegen eine leichtere Einbürgerung von Ausländern gewonnen", kritisiert der "Observer". Der "Independent" wundert sich: "Noch niemand hat bisher vorgeschlagen, was gegen etablierte konservative Politiker wie den Christdemokraten Jürgen Rüttgers unternommen werden soll, deren Geschäft es ist, den Ausländerhass anzufachen." Auch britische Konservative leisten sich zuweilen ausländerfeindliche Parolen. Doch ein Slogan wie "Kinder statt Inder" wäre nach übereinstimmendem Urteil der Zeitungen auf der Insel "undenkbar". (dpa) [Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 13. September 2000] Zum Thema
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© 2000 PSYCHOTHERAPIE, Stuttgart PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753) erscheint im ABARIS Institut für Moderne Psychotherapie und Verhaltenstherapie, Stuttgart. Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers. |
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