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PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753). Zeitschrift für Moderne Psychotherapie und Gesundheit. Herausgeber: Dietmar G. Luchmann (Dipl.-Psychologe, Psychotherapeut)

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Leben und Leiden "jenseits des Vorstellbaren" - Paula Yates ist tot

London (18.09.2000) - Von Dieter Ebeling. Die Vierjährige mit den ungewöhnlichen Vornamen Heavenly Hiraani Tiger Lily ging ans Telefon: "Ich kann Mami nicht aufwecken", sagte sie der Anruferin. Die hatte einen Schlüssel, kam sofort in der Wohnung vorbei, sah sich um, nahm Tiger ("Wach doch auf, Mami") beiseite und wählte den Notruf 999: Paula Yates (40) war ganz eindeutig tot. Neben ihr lagen eine Flasche Wodka, Pillen und, wie das bei Scotland Yard heißt, "Drogen der Klasse A" - die Medien sprechen von Heroin. Paula Yates' Leben war ein Leben mit Sex and Drugs and Rock n' Roll mitten im Scheinwerferlicht - ein unglückliches.

Den Verlust der großen Liebe ihres Lebens hat sie nicht überwunden. Seit Michael Hutchence, Leadsänger von INXS, im November 1997 in einem Hotelzimmer in Sydney an seinem Gürtel hängend tot gefunden wurde, stand sie neben sich. Und sie wankte und torkelte immer öfter und öffentlicher. "Als Michael starb, fiel ich von der Klippe. Ich war jenseits der Trauer. Ich war völlig verrückt", sagte sie einem Interviewer. Sie war überzeugt: Hutchence, Vater von Tiger Lily, nahm sich nicht das Leben - es war ein "tragischer Unfall" bei einem Sexspiel. "Er hätte mich und Tiger nie alleine gelassen."

Als 17-jährige kommt sie nach London und beginnt eine Beziehung zu Bob Geldof, dem Sänger der Boomtown Rats. Ein Jahr später lässt sie sich im ehrwürdigen Reform Club nackt für Penthouse fotografieren und veröffentlicht ein Buch "Rockstars in Unterhosen". Kein Geringerer als Andy Warhol nannte es "das größte Kunstwerk des letzten Jahrzehnts". 1982 beginnt ihre Karriere als Fernsehmoderatorin, sie wird wegen ihres unbekümmerten Wesens (Erste Frage an Mick Jagger: "Was hast Du eigentlich da vorne in der Hose?") als eines der ganz großen britischen Fernsehtalente gefeiert.

Paula Yates ist wasserstoffblond, ausgeflippt und schockiert gerne die Reichen und Schönen, an deren Tisch sie nun sitzen darf, ist aber daheim eine liebende, fast besessene Mutter: Ihren Kindern Fifi Trixibelle (17), Peaches (11) und Pixie (7) fehlt es nicht an elterlicher Zuneigung. Sie werden zum Gegenstand einer öffentlichen Scheidungsschlacht, als Yates und Geldof - inzwischen zum Sir Bob geadelt, nachdem dieser die große Live Aid-Hungerhilfe ins Leben rief - sich 1996 trennen. Auf deren Höhepunkt wirft Yates medienwirksam einen Stein in Geldofs Fenster. Aber Sir Bob bekommt das Sorgerecht für die Töchter, nachdem die Polizei in der Wohnung, in der Yates bereits gemeinsam mit Hutchence wohnt, Opium in einer Bonbonpackung findet.

Hutchence, den sie 1995 bei einem Fernsehinterview in einem Bett sitzend kennen lernte, gewöhnte sie nach Ansicht ihrer Freunde an ein Leben voller Alkohol und Drogen. "Mit ihm begann der Abstieg", zitiert der "Guardian" einen Vertrauten. Sie jedoch sah in ihm das Glück ihres Lebens, "Gottes Geschenk an die Frauen" und einen begnadeten Liebhaber - was sie wesentlich drastischer auszudrücken pflegte. Sein Tod 1997 wirft sie völlig aus der Bahn. Drei Wochen später ein zweiter Schicksalsschlag. Sie muss feststellen, dass sie nicht die Tochter des Fernseh-Moderators Jess Yates ist, sondern einem Seitensprung ihrer Mutter eine Woche nach der Hochzeit mit dessen ärgstem Konkurrenten Hughie Green entstammt. "Dass der Vater nicht der Vater ist, ist schlimm genug. Dass der Vater ein Mann ist, den man sein ganzes Leben lang verachtet hat, ist jenseits des Vorstellbaren", sagt sie dazu.

Nun geht es Schlag auf Schlag. Im April 1998 wird Yates in einer psychiatrischen Klinik behandelt, drei Monate später versucht sie, sich wie Hutchence zu erhängen. Sie verliert das Sorgerecht der drei Töchter gänzlich an Geldof, mit Hutchences Verwandtschaft streitet sie um das Sorgerecht für Tiger Lily und um dessen Erbe. Beziehungen zu anderen Männern sind wie unglückliche Hilfeschreie. Zuletzt wird sie am Samstagabend um 22.00 Uhr barfuss und verwirrt am Kiosk gesehen, wo sie bis zu sieben Mal täglich Mini-Flaschen Wodka kaufte. Sie geht nach Hause. In ihr Kopfkissen hat sie ein wenig von Hutchence Asche eingenäht: "Es tröstet mich, dass er da ist." So ist sie an seiner Seite gestorben. (dpa)

[Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 18. September 2000]

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