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Psychogramm der Zerstörung: Milosevic und Frau - das machtbesessene Herrscherpaar von BelgradWien (dpa) - Von Thomas Brey. Der jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic (59) und seine Ehefrau Mirjana Markovic (58) herrschen seit über einem Jahrzehnt unumschränkt in Serbien. Der Sohn eines orthodoxen Geistlichen und die Tochter aus berühmter kommunistischer Familie gelten außerhalb ihres Machtbereichs als Zerstörer Jugoslawiens. Während Milosevic als "kalter Macht-Techniker ohne Visionen und Ideale" beschrieben wird, gilt seine Frau als die eigentliche Ideologin, die sich bedingungsloser Ergebenheit ihres Mannes erfreut. "Der Präsident ist die Geisel seiner Frau", schrieben kritische Zeitungen in Belgrad.Westliche Diplomaten charakterisieren den Mann von kleiner Statur und in immer korrekten dunklen Anzügen als Autisten, der keinen Bezug zur Wirklichkeit mehr besitze. Seit Geheimdienstchef Jovica Stanisic vor zwei Jahren kalt gestellt wurde, sei er nur noch von schmeichelnden Ja-Sagern umgeben, die den Staatschef in seiner Scheinwelt bestärkten. Milosevic hat Eisenbahntrassen für Hochgeschwindigkeitszüge, neue Autobahnen, den Bau der Belgrader U-Bahn oder zuletzt die Erstellung von 100.000 Wohnungen ankündigt, obwohl wegen der völligen Verarmung und Isolation des Landes daran nicht einmal im Traum zu denken ist. Er behauptete vor einem Jahr, dass die Industrieproduktion um sagenhafte 50 Prozent gestiegen sei, doch damals wie heute liegen die Unternehmen am Boden. Bei einem seiner seltenen Auftritte bejubelte er kürzlich die "die zivilisatorische Überlegenheit unseres Volkes". Im Gegenzug lässt er sich von seinen Parteigängern als "nationaler Held" auszeichnen, der mit seinen "strategischen militärischen Entscheidungen" einen "grandiosen Sieg" über die NATO errungen habe. Sein Biograf Slavoljub Djukic hat dieses Psychogramm gezeichnet: Der skrupellose Machtmensch ("Ich werde solange herrschen wie ich will") unterscheide nur zwischen Anhängern und Feinden, schätze Intellektuelle gering, behandele Menschen als "biologisches Material" und lasse seine engsten Mitarbeiter und politischen Freunde nach Belieben fallen. Der auch gegen seine engsten Berater stets misstrauische Populist flüchtet vor dem Volk, zeigt sich selten in der Öffentlichkeit und hasst Journalisten ebenso wie Fotografen. Das glatte Gegenteil ist seine Frau Mirjana, die als "Akademie-Mitglied, Professorin, Parteiführerin, Kolumnistin, Literatin, Wissenschaftlerin und Denkerin" in der Öffentlichkeit allgegenwärtig ist. Die gleichgeschalteten Medien preisen die glühende Kommunistin und selbst ernannte "Anwältin der Ärmsten der Armen" als "eine der bedeutendsten und interessantesten Persönlichkeiten in der Welt- und Wissenschaftselite". In Wirklichkeit stützt sich ihre vorgeblich linke JUL-Partei vornehmlich auf die Direktoren großer Betriebe. "Die mächtigste Frau in der serbischen Geschichte" entscheidet wie bei antiken Gladiatorenkämpfen über Auf- und Abstieg der Politiker. Wer in ihren Medienkolumnen ins Schussfeld der beleibten Frau in kleinbürgerlich-biederer Kleidung gerät, beendet kurz darauf seine Karriere. Auch nach allen Balkankriegen tritt sie für die Wiederbelebung Jugoslawiens ein - eine in allen abtrünnigen Landesteilen als absurd eingestufte fixe Idee. Nach Berechnungen des Belgrader Ökonomen Mladjan Dinkic hat das Milosevic-Paar samt Helfern über sechs Milliarden Mark ins Ausland geschafft. Es sorgte auch dafür, dass die Tochter Marija (35) in den Besitz eines Belgrader Fernsehsenders gelangte und der Sohn Marko (26) durch den Schmuggel von Mangelwaren reich wurde. Das US- Außenministerium hatte im letzten Mai Marko Milosevic als einen der reichsten und gewalttätigsten Mitglieder der serbischen Mafia bezeichnet. Er sei der Beweis für die "Banditen-Natur" des Regimes. Erstmals unterstützt Mirjana Markovic ihren publikumsscheuen Mann im Wahlkampf, indem sie selbst als Kandidatin fürs Parlament antritt. Bei ihren zahlreichen Auftritten hat sie die Opposition als medikamentensüchtig und "dressierte Papageien" bezeichnet. Das UN-Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag verglich sie mit der Gestapo, dessen Gefängniszellen mit den Gaskammern der Nazis. Bei der bevorstehenden Wahl müssten die Bürger "zwischen Sklaverei und Freiheit, Krieg und Frieden, Gut und Böse wählen". (dpa) [Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 19. September 2000] Buchtipp - und hier können Sie bestellen...
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© 2000 PSYCHOTHERAPIE, Stuttgart PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753) erscheint im ABARIS Institut für Moderne Psychotherapie und Verhaltenstherapie, Stuttgart. Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers. |
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