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PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753). Zeitschrift für Moderne Psychotherapie und Gesundheit. Herausgeber: Dietmar G. Luchmann (Dipl.-Psychologe, Psychotherapeut)

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Essstörungen nehmen in Deutschland auch bei Männern zu - 15 bis 20 Prozent der Magersüchtigen sterben trotz Behandlung

Berlin (21.09.2000) - Essstörungen nehmen nach den Worten des Berliner Forschers Werner Köpp in Deutschland zu. "Etwa ein Prozent aller 15- bis 35-jährigen Frauen leidet bereits unter seelisch bedingter Magersucht, vier Prozent leiden unter der so genannten Ess-Brech-Sucht, der Bulimie", sagte der Internist und Psychotherapeut in einem dpa-Gespräch. Damit seien die Essstörungen zusammen genommen ebenso häufig wie die Zuckerkrankheit. "Und obwohl mehr als 95 Prozent der Betroffenen Frauen sind, kommen auch immer mehr Männer mit Essstörungen zur Behandlung, vor allem mit Bulimie", sagte Köpp.

"Es gibt deutliche Hinweise, dass diese sonst typischen Frauenkrankheiten bei Männern neuerdings häufiger auftreten", erläuterte der Experte. Mit seiner Arbeitsgruppe in der Abteilung für Psychosomatik am Universitätsklinikum Benjamin Franklin der Freien Universität Berlin war Köpp maßgeblich an der bislang weltweit größten wissenschaftlichen Studie zu Essstörungen beteiligt, die von 1993-1998 erstellt wurde.

Die Berliner Forscher fanden heraus, dass ess-brech-süchtige Männer häufiger bi- oder homosexuell sind als Frauen mit derselben Essstörung. "Bi- und homosexuelle Männer orientieren sich - ähnlich wie heterosexuelle Frauen - stark am gesellschaftlich vorherrschenden Schlankheitsideal", begründete Köpp diese Beobachtung.

Essstörungen sind nach den Worten des Experten sowohl volkswirtschaftlich als auch gesundheitspolitisch ein großes Problem. "Von allen Krankheiten, die in der Psychiatrie und in der Psychosomatik behandelt werden, ist die Magersucht diejenige mit dem größten Sterberisiko: 15 bis 20 Prozent der Betroffenen sterben trotz Behandlung an ihrer Krankheit", betonte der Mediziner.

"Für eine erfolgreiche Therapie der oft jahrelang anhaltenden Essstörungen ist von großer Bedeutung, dass die Betroffenen die Angst vor dem Essen verlieren", sagte Köpp. Auch die Entwicklung von Kontakt- und Beziehungsfähigkeit ist entscheidend, stellte der Arzt in seiner jüngsten Arbeit fest.

Für seine Forschungen wurde Köpp, der sich seit 15 Jahren mit Essstörungen beschäftigt, der diesjährige, mit 60.000 Mark dotierte Forschungspreis der Essener Christina Barz-Stiftung zugesprochen. Die Auszeichnung wird am heutigen Donnerstag im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde in Aachen verliehen.

[Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 21. September 2000]

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