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PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753). Zeitschrift für Moderne Psychotherapie und Gesundheit. Herausgeber: Dietmar G. Luchmann (Dipl.-Psychologe, Psychotherapeut)

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Bald jedes fünfte Kind in Deutschland zu dick - Hoher Fernsehkonsum schwächt Emotionen und Schul-Leistungen

Freiburg (26.09.2000) - Die Zahl der übergewichtigen Kinder in Deutschland nimmt nach Expertenangaben drastisch zu. Bereits jedes sechste Kind in Deutschland ist zu dick. "Wenn die Erfahrungen aus den USA zu Grunde gelegt werden, wird sogar bald jedes fünfte Kind übergewichtig sein", sagte die Freiburger Ärztin Ulrike Korsten-Reck. Sie leitet in der Abteilung für rehabilitative und präventive Sportmedizin der Universität Freiburg das Interventionsprogramm für übergewichtige Kinder. In der Therapie erhalten die Kinder Anleitungen für mehr Aktivität.

Einer der Hauptgründe für die Entwicklung sei die Bewegungsarmut der Kinder. So habe eine Studie jüngst ergeben, dass sich sechs- bis zehnjährige Kinder durchschnittlich nur noch eine Stunde am Tag bewegen. Korsten-Reck leitet das Interventionsprogramm für übergewichtige Kinder an der Universität Freiburg.

"Fernsehen, Computer und Hausaufgaben spielen die tragende Rolle im Leben der Kinder", bedauerte Korsten-Reck. Fehlernährung durch Fast-Food und vorgekochte Lebensmittel, aber auch veränderte Familienstrukturen seien weitere Gründe dafür, dass die Kinder "immer dicker und schlapper" werden.

Kinder, die viel fernsehen, zeigen einer weiteren Studie zufolge zudem weniger Gefühle und sind schwächer in der Schule. Diese Ergebnisse stellte die Forschungsgruppe Psychophysiologie der Universität Freiburg am Dienstag vor. Die Forscher um Michael Myrtek wiesen nach, dass die schulischen Leistungen von Vielsehern vor allem im Fach Deutsch wesentlich schlechter sind als bei den Gleichaltrigen, die ihre Freizeit mehr mit Sport oder Bewegung verbringen. Der Kontakt zu Freunden und Familienangehörigen sei bei den Vielsehern reduziert.

Kinder mit einem Fernsehkonsum von mehr als drei Stunden täglich sehen nach Angaben des Studienleiters Myrtek hauptsächlich "wenig hochbewertete Sendungen" wie Talk-Shows am Nachmittag. "Darunter leiden auch die Deutsch-Kenntnisse, denn Talk-Shows sind kein Hort der Sprachkultur", sagte Myrtek. Im Vergleich dazu sehen Kinder mit durchschnittlich nur rund einer Stunde Fernsehkonsum pro Tag hauptsächlich Tierfilme. Für Myrtek ein Zeichen, dass in dieser Gruppe die Familie den Fernsehkonsum kontrolliert.

Kinder mit mehr als drei Stunden vor dem Fernseher bewegen sich weniger, musizieren weniger und führen weniger Gespräche, sagte Myrtek. Sie seien also häufiger alleine und schlechter Laune. Das Fernsehen führe dann zu einem Stimmungshoch, was schließlich in eine "Fernsehsucht" münden könne. Die Schule und die Sozialkontakte würden als weniger schön erlebt als das Fernsehen. "Diese Schüler stumpfen regelrecht ab gegenüber emotionalen Belastungen", sagte Myrtek.

Der Psychologe zog den Schluss, dass das Fernsehverhalten der Kinder von den Familien kontrolliert werden müsse. Dies sei aber schwierig, wenn in rund 25 Prozent der Kinderzimmer ein eigener Fernseher stehe. Für die Studie waren 200 elf- und 15-jährige männliche Schüler untersucht worden. Sie trugen täglich 23 Stunden lang ein Datenerfassungsgerät mit sich. Über Messelektroden wurden die Herzfrequenz und die Bewegungsaktivität gemessen. Mit diesen Biosignalen konnte die körperliche, emotionale und mentale Beanspruchung errechnet werden. Zudem wurden die Schüler alle 15 Minuten aufgefordert, ihr momentanes Befinden per Knopfdruck in das Gerät einzugeben. Die Studien wurden anlässlich einer wissenschaftlichen Tagung des Berufsverbands deutscher Ernährungsmediziner in Freiburg vorgestellt.

[Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 26. September 2000]

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