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Gefährliche Schwiegermütter - Mord, Sex und psychische Schäden im Kampf der Schwiegersöhne und SchwiegertöchterStuttgart (23.10.2000) - "Meine Schwiegermutter hat meine Ehe zerstört. Eines Tages kam meine Frau nach Hause und erwischte uns beide zusammen im Bett", spöttelte der amerikanische Komiker Lenny Bruce (1926-1966). Weniger lustvoll ging die Ehe eines Chefarztes in Heiligenhaus bei Düsseldorf zu Ende. Aus Eifersucht tötete der 47-jährige Mediziner seine 30-jährige Ehefrau, die gemeinsame vierjährige Tochter und anschließend sich selbst. Vor dem Selbstmord rief der Chefarzt des örtlichen Krankenhauses noch seine Schwiegermutter an und erklärte ihr, er habe soeben Frau und Tochter umgebracht - bittere Rache posthum?Immer standen am Anfang aller Schwiegermütter-Dramen die ebenso schlichten wie folgenreichen drei Worte - "Ja. Ich will". Wer sie erst ausgesprochen hat, ist zum einen verheiratet und zum anderen fortan mit einer Schwiegermutter gesegnet. Und dass dies nicht immer ein Segen ist, mussten schon viele Schwiegerkinder und vor allem Schwiegertöchter erfahren. Sie verleumden, spinnen Intrigen, horchen ihre Enkelkinder aus und schnüffeln in Privatsachen - Schwiegermütter. Ihre Opfer: Schwiegertöchter, seltener auch Schwiegersöhne. Das Leiden und die Probleme, die sie mit ihrem tyrannischen Verhalten auslösen, sind groß. Wenn Schwiegertöchter ihr Ja-Wort geben, kommen Schwiegermütter in ein Alter, in dem Frauen mit vielen Verlusten umgehen lernen müssen: Sie altern und haben die Wechseljahre zu bewältigen. Ihre alten Eltern werden hilfebedürftig und sterben. Ihre Partner, falls vorhanden, sind beruflich angespannt - und nun müssen sie auch noch ihre Kinder "hergeben". Es sei verständlich, wenn sich viele Frauen in dieser Situation weiterhin an ihre Söhne klammerten, meint Ruth Eder in ihrem Buch "Die Mutter meines Mannes" und rät: "Hier läge der Ansatzpunkt für die junge Frau, Verständnis für die Situation der Schwiegermutter aufzubringen, statt sie abzulehnen". "Bei mir haben sich bisher 15.000 Betroffene gemeldet", resümiert Ruth Gall, die 1995 die bundesweit erste Selbsthilfegruppe für Schwiegertöchter in Augsburg gründete. Bedarf bestand offensichtlich schon lange, vermutlich seit es Schwiegermütter gibt - "doch der Mutterkonflikt stellt ein großes Tabu in unserer Gesellschaft da". Dabei nehmen die Machenschaften unter dem Deckmantel des "Mutter-Mythos" laut Gall bisweilen sogar kriminelle Ausmaße an. Einige haarsträubende Kostproben gibt die Autorin in ihrem Ratgeber "Problemfall Schwiegermutter": Stark verbreitet sei das Mittel der Verleumdung und des Rufmords, heißt es darin. Aussagen wie "Das Kind ist nicht von meinem Sohn", "Die will mich mit ihrem abscheulichen Fraß vergiften" oder Anrufe beim Jugendamt oder dem Arbeitgeber der Schwiegertochter zählen zu den einschlägigen Standards dieser Kategorie. Andere Schwiegermütter werden, wie Gall berichtet, auch schon mal handgreiflich. "Blumen und Sträucher im Garten sind häufig Opfer der Sachbeschädigung". Daneben gehören zerschnittene Wäsche, aufgeschlitzte Autoreifen und aufgebrochene Haustüren ins Repertoire. Auch das Briefgeheimnis sei den Schwiegermüttern nicht immer heilig. Sie durchschnüffelten die Post, steckten ihre Nase vorzugsweise in Sparbücher und Versicherungsverträge, gerne auch in Tagebücher. Zudem ist Erpressung laut Gall an der Tagesordnung. Mit Sätzen wie "Dann bringe ich mich halt um" habe schon so manche Schwiegermutter ihren Willen durchgesetzt. Subtiler gehen andere vor. "Ihre Waffen heißen: Weinen und Schweigen", sagt Petra Neumann-Prystaj, Autorin des Ratgebers "Freundin - Feindin. Schwiegermutter". Sie tyrannisieren die Familie, indem sie durch permanentes Klagen und Jammern bei allen ein schlechtes Gewissen auslösen. Notfalls drohen sie auch schon mal mit Enterbung, sollte man sich nicht fortan besser um sie kümmern, beschreibt Neumann-Prystaj das schwiegermütterliche Phänomen. Aber warum handeln diese Frauen derart hinterhältig? Waren sie am Ende schon immer bösartig und haben es bisher nur gut verborgen? "Sie verteidigen ihren Besitzstand am Sohn", erklärt Gall schlicht. Man hat ihnen ihr Kind weggenommen und "pflegt" es nicht mal richtig, sei der Gedankengang. Zudem mache sich bei ihnen laut Prystaj-Neumann das Gefühl breit, von einer jüngeren, attraktiveren Rivalin vom Königinnenthron gestoßen worden zu sein. "Und diese Rivalin erschüttert das Selbstbewusstsein der Schwiegermütter." Am Ende stünde die Erkenntnis, nur noch Nummer zwei im Leben des Sohnes zu sein. Im Gegenzug malträtieren sie ihre Schwiegertöchter mit offenen oder subtilen Angriffen, beschreibt Ruth Gall, was sie am eigenen Leib erfahren musste. Die größten Probleme und Streitigkeiten treten laut Neumann-Prystaj auf, wenn finanzielle Abhängigkeiten bestünden, die Schwiegertöchter mit den Schwiegermüttern unter einem Dach wohnten oder auf ihre Babysitter-Dienste angewiesen seien. In dieser Situation "haben nur wenige Schwiegertöchter den Mut sich zu distanzieren", weiß Ruth Gall aus vielen Gesprächen mit Betroffenen. Der Leidensdruck sei enorm, ziehe bisweilen sogar physische und psychische Erkrankungen nach sich. Erschwerend hinzu käme, dass die Frauen meist nicht der Hilfe und Unterstützung ihrer Männer versichert seien. Idealerweise sollten diese laut Neumann-Prystaj "klare Stellung für ihre Frau beziehen" - und der Mutter Grenzen setzen. Sie müssten ihr die Stirn bieten und sagen: "Wenn du sie ablehnst, lehnst du auch mich ab". Die Realität sieht oft anders aus: "Die Männer fühlen sich von den gegensätzlichen Ansprüchen der beiden Frauen völlig überfordert und suchen instinktiv Schutz im Beruf, bei Hobbys, in der Kneipe oder hinter ihrer Zeitung", beschreibt Neumann-Prystaj das typische Verhalten. Ihre Ehefrauen fühlten sich im Stich gelassen. Ständige Streitereien um das Thema Schwiegermutter seien die Folge. "Hier ist die Hilfe eines 'Übersetzers' angebracht, eines nüchtern beobachtenden Eheberaters, der bei den beiden Verständnis für die Situation des anderen weckt", rät die Darmstädterin. Ansonsten könnte der Zwist im schlimmsten Fall bis zur Scheidung führen. Tatsächlich werden die Schwiegereltern laut einer GEWIS-Umfrage in sieben Prozent der Fälle als Trennungsgrund angegeben. Aber es gibt Hoffnung: "Oft entspannt sich das Verhältnis, wenn ein Enkel geboren und die Oma in die Betreuung des Kindes mit einbezogen wird", berichtet Neumann-Prystaj. Allerdings sollten zuvor Aufgabenfelder und Grenzen - notfalls auch schriftlich - genau abgesteckt werden, damit die Einmischung in die Kindererziehung, in den Haushalt und ins Privatleben nicht zu weit gehe. Diese Abgrenzung sei nicht allein Sache der Frau. "Das Paar sollte den Eltern gegenüber als geschlossenen Einheit auftreten", empfiehlt die Ratgeber-Autorin. Jenen Frauen, die aufgrund der äußeren Umstände die Nähe der Schwiegermutter gezwungenermaßen ertragen müssen, rät Gall, sich zumindest innerlich zu distanzieren. Dabei könnten zum einen Kurse zur verbalen Selbstverteidigung und Selbstbehauptung helfen, aber auch die verschiedenen Techniken zu Stressbewältigung. Klug handelt, wer mit der Konsultation eines kognitiven Psychotherapeuten nicht wartet, bis psychische und psychosomatische Krankheiten aufgetreten sind: Sehr wenig Stunden "Schwiegermutter-Coaching" können genügen, um mit der Situation entspannter umgehen zu lernen. Spätestens dann aber, wenn erste Symptome sich zeigen, sollte ein Psychotherapeut oder Facharzt konsultiert und eine Familien- oder Psychotherapie erwogen werden. Parallel empfiehlt die Augsburgerin, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. "Der Austausch mit anderen Frauen hilft aus der Isolation heraus". Schwiegermütter: Gepriesen und beschimpft Bei einer Befragung 1.425 Geschiedener nach ihrem Trennungsgrund gaben insgesamt sieben Prozent die Begründung an: "Die Schwiegermutter war gegen mich". Bei den Frauen waren es acht Prozent, bei den Männern fünf. Auf die Frage, welche Bezeichnung für ihre Schwiegermutter am treffendsten wäre, kamen den Schwiegertöchtern und Schwiegersöhnen folgende Begriffe in den Sinn:
Quelle: GEWIS (befragt
wurden 1.061 Frauen und Männer zwischen 20 und 65 Jahren). Zum Thema
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© 2000 PSYCHOTHERAPIE, Stuttgart PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753) erscheint im ABARIS Institut für Moderne Psychotherapie und Verhaltenstherapie, Stuttgart. Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers. |
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